Patienteninformation Wirbelsäule · Lendenwirbelsäule

    Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)

    Beim Wirbelgleiten verschiebt sich ein Wirbelkörper gegenüber dem darunterliegenden, meist nach vorne. Am häufigsten ist die untere Lendenwirbelsäule betroffen. Die Verschiebung kann Rückenschmerzen verursachen und die Nerven einengen.

    Medizinisch geprüft von Dr. Lukas Panzenböck am 03.11.2026

    Wirbelgleiten – kurz erklärt (animiertes Erklärvideo, keine Operationsaufnahmen)

    Formen und Ursachen

    Beim verschleißbedingten (degenerativen) Wirbelgleiten lockern sich Bandscheibe und Wirbelgelenke mit den Jahren, sodass ein Wirbel nach vorne rutschen kann. Es tritt vor allem im höheren Lebensalter auf.

    Beim isthmischen Wirbelgleiten besteht eine Spaltbildung im Wirbelbogen (Spondylolyse), die oft schon seit Kindheit oder Jugend vorhanden ist. Seltener sind Verletzungen oder andere Erkrankungen die Ursache.

    Beschwerden im Überblick

    • Belastungsabhängige Kreuzschmerzen
    • In die Beine ausstrahlende Schmerzen
    • Beschwerden beim Gehen und Stehen wie bei einer Spinalkanalstenose
    • Gefühl der Instabilität im unteren Rücken

    Typische Beschwerden

    Viele Menschen mit geringem Wirbelgleiten haben keine Beschwerden. Andere spüren Kreuzschmerzen, die bei Belastung zunehmen. Engt die Verschiebung den Wirbelkanal oder die Nervenaustrittsöffnungen ein, kommen ausstrahlende Beinschmerzen, Kribbeln oder eine verkürzte Gehstrecke hinzu.

    Warnzeichen – sofort ärztlich abklären

    Suchen Sie umgehend uns oder eine Krankenhaus-Ambulanz auf, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:

    • Taubheit im Reithosenbereich
    • Neu aufgetretene Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
    • Rasch zunehmende Lähmungen in den Beinen

    Diagnostik

    Röntgenaufnahmen im Stehen zeigen das Ausmaß der Verschiebung; Funktionsaufnahmen in Vor- und Rückneigung zeigen, ob sich das Segment bei Bewegung zusätzlich verschiebt. Die MRT beurteilt Bandscheiben und Nerven, eine CT kann Spaltbildungen im Wirbelbogen sichtbar machen.

    Konservative Behandlung

    Am Anfang steht in der Regel eine konservative Behandlung.

    • Physiotherapie mit gezielter Kräftigung der Rumpfmuskulatur
    • Schmerztherapie
    • Infiltrationen an Nervenwurzeln oder Wirbelgelenke
    • Anpassung belastender Tätigkeiten

    Ablauf und Nachbehandlung

    Nach einer Stabilisierung erfolgt die Mobilisation in der Regel früh. Belastungsaufbau, Physiotherapie und Kontrollröntgen werden individuell geplant und vor dem Eingriff besprochen.

    Operative Behandlung

    Ob und welche Operation sinnvoll ist, wird nach Untersuchung und Bildgebung gemeinsam mit Ihnen entschieden. Folgende Verfahren kommen bei diesem Krankheitsbild in Frage:

    (Navigiertes) TLIF

    Transforaminale lumbale interkorporelle Fusion: Von hinten werden die Nerven entlastet, die Bandscheibe ausgeräumt und ein Platzhalter (Cage) eingesetzt. Schrauben und Stäbe halten das Segment in korrigierter Stellung, bis es fest verheilt ist. Die Navigation unterstützt die genaue Schraubenplatzierung.

    Wann: Wirbelgleiten mit Instabilität oder Nerveneinengung und anhaltenden Beschwerden trotz konservativer Therapie.

    (Navigiertes) MIS-TLIF

    Minimalinvasive Variante der TLIF über kleinere Zugänge, um die Rückenmuskulatur zu schonen.

    Wann: Ausgewählte Fälle, abhängig von Anatomie und Ausmaß der Verschiebung.

    XLIF

    Über einen seitlichen Zugang wird ein großer Platzhalter in das Bandscheibenfach eingesetzt. Er stellt die Höhe wieder her, kann die Verschiebung verringern und die Nervenaustrittsöffnungen indirekt erweitern; gelegentlich wird zusätzlich von hinten stabilisiert. Der seitliche Zugang verursacht in der Regel weitaus weniger postoperative Wundschmerzen und ermöglicht eine schnellere Mobilisierung und einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.

    Wann: Ausgewählte Fälle mit Höhenverlust.

    Mikroskopische Dekompression

    Bei geringem, stabilem Wirbelgleiten kann in ausgewählten Fällen eine alleinige Entlastung der Nerven ohne Versteifung ausreichen.

    Wann: Stabiles, geringgradiges Gleiten mit Nerveneinengung.

    Häufige Fragen

    Kann sich ein Wirbel weiter verschieben?

    Das ist möglich, bei vielen Betroffenen bleibt die Verschiebung jedoch über lange Zeit stabil. Regelmäßige Kontrollen helfen, Veränderungen zu erkennen.

    Schränkt eine Versteifung die Beweglichkeit stark ein?

    Versteift wird meist nur ein einzelnes Bewegungssegment. Die Gesamtbeweglichkeit der Wirbelsäule ist dadurch im Alltag in der Regel nur wenig eingeschränkt. Die Beweglichkeit des erkrankten Segmentes ist meist auch nur noch sehr eingeschränkt möglich.

    Termin vereinbaren

    Sie möchten Ihre Beschwerden abklären lassen oder eine Zweitmeinung zu einer geplanten Operation einholen?

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    Diese Informationen dienen der allgemeinen Patienteninformation und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Beratung.